Harzklub-Zweigverein
Lutter am Barenberge

Station F: Wasserhaushalt

„Wasserland Niedersachsen“

Stolz betonen wir in unserem Land das reiche Dargebot der lebensnotwendigen Ressource Wasser. Bäche, Flüsse, Seen und das Meer kommen einem dabei zuerst in den Sinn. Doch auch das Grundwasser unter der Erde sollte nicht vergessen werden und hier kommt der Wald entscheidend ins Spiel mit seinen guten Qualitäten als Wasserspender. Damit kommt ihm auch für die Sicherung der hochwertigen Trinkwassergewinnung eine große Bedeutung zu.


Waldboden punktet mit großen Poren und Durchlässigkeit

Ist das Wasser entweder direkt oder über Tropfen, die von den Blättern und Nadeln herunterfallen, zu Boden gelangt und versickert, trägt es zur Neubildung von Grundwasser bei. Positiv wirkt sich dabei die große Durchlässigkeit des Waldbodens aus: Aktive Bodenwühler aber auch eine tiefe und verzweigte Durchwurzelung tragen dazu bei. Positive Effekte zeigt der Wald auch bei der Schneeschmelze: Im Wald läuft diese langsamer ab. Zudem gefriert der Boden unter Baumkronen weniger tief und bietet so mehr Aufnahmefähigkeit für Wasser zu Zeiten der Schneeschmelze. Der Wald trägt mit seinen spezifischen Eigenschaften zur guten Wasserqualität des Grundwassers bei. Zum einen hat ein möglichst gleichmäßiger Abfluß einen positiven Effekt auf die chemische und biologische Qualität des Wassers. Zum anderen weist der Wald in seiner extensiven Nutzung durch relativ geringen Einsatz von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln Vorteile für die Trinkwassergewinnung auf. Zudem haben Schwebstoff-Messungen an Bächen des Oberharzes gezeigt, daß bewaldete Einzugsgebiete zu einer deutlich geringeren Schwebstoff-Fracht führen.


Der Weg des Wassers im Wald

Niederschlag in verschiedensten Formen:
In ganz verschiedenen Formen kann das Wasser auch im Wald zur Erde gelangen, z. B. als: 
      

              - Regen
              - Schnee
              - Tau
              - Nebel
              - Graupel oder Hagel

Bis zu 95 Prozent des Niederschlags in der Bundesrepublik gelangen als Regen oder Schnee zu Boden und versickern oder fließen ab. In einigen Höhenzügen genießt zudem der sogenannte Nebelniederschlag eine gewisse Bedeutung.


„Hindernis“ Wald

Trifft der Niederschlag auf den Wald, gelangt er durch Lücken zum einen direkt auf den Boden. Zum anderen wird ein beträchtlicher Anteil jedoch zunächst aufgehalten: von Blättern, Nadeln und Ästen. Interzeption – so nennt der Fachmann diesen Prozeß. Ein Teil dieses zurückgehaltenen Wassers wird über Verdunstung dem Wasserkreislauf wieder zugeführt, ein anderer Teil tropft zu Boden, versickert oder läuft ab. Bei Nadelbäumen wie Fichte oder Tanne können bis zu 40 % des zurückgehaltenen Wassers wieder verdunsten – winterkahle Laub- baumarten hingegen verlieren über die Verdunstung nur bis zu 25 %. Deshalb eignen sich Laubwälder besonders gut zur Grundwasser- neubildung. Auch deshalb werden Nadelwälder, vor allem in Trinkwasserschutzgebieten, mit Unterpflanzung von Laubbäumen zu sogenannten Trinkwasserwäldern umgebaut.


„Wasserspender“ Wald

Der Wald belegt dank Interzeption und der Pflanzenatmung (Transpiration) Spitzenwerte bei der Verdunstung und fungiert so als Wasserspender. Der Vergleich mit anderen Vegetationsformen belegt es deutlich:
- Wald: bis zu 70 % des mittleren jährlichen Niederschlags werden verdunstet
- Wiesen: ca. 60 %
- Acker: ca. 45 %
Dank der rauen Bodenoberfläche im Wald (Steine, Pflanzen, Humus) und dem hohen Grobporenanteil ist trotz hoher Verdunstung die ins Grundwasser absinkende Menge nicht wesentlich geringer im Vergleich mit waldfreien Vegetationsformen.
Hier ein Vergleich zur Grundwasserneubildung (bei 7 °C mittlerer Temperatur und 900 mm Jahresniederschlag):
- Brachland: 40 mm
- Buchen-/Eichenwald: 38 mm
- Fichtenwald: 27 mm
Damit nimmt der Wald in der Grundwasserneubildung eine wichtige Rolle ein.